Frankfurt Muscle

We pledge allegiance to Alice Cooper

Steven, unser Mitbewohner und waschechter Nightbear, begleitete uns auf den Weg zur Jahrhunderthalle, denn hier schloß er sich uns damals an. Wenn Alice Cooper ruft, muß er einfach mit. Alice ist umtriebig wie eh und je und tourt wieder durch die Welt. Hätte die Pandemie ihm nicht eine Pause verordnet, wäre der gute Mann fast seit fünfzig Jahrendurchgehend auf Tour. Natürlich durften wir nicht fehlen, als er mit der “Detroit Muscle Tour” in Frankfurt Station machte. Der Name paßte nicht ganz zur Bühne, denn es war die gleiche Schloßkulisse mit der er schon 2019 unterwegs war. Was sehr untypisch war, eigentlich präsentiert er auf jeder Tour eine neue Bühne. Der Name Alice Cooper steht aber nach wie vor für eine abwechslungsreiche Rockshow und paßte weiterhin.

Wie schon auf der vorangegangenen Tour eröffnete “Feed my Frankenstein” den musikalischen Reigen. Während des gesprochenen Intros wurden viele Handys in die Höhe gereckt und als dann der Vorhang fiel und Alice aus dem Nebelschwaden der Schloßtür trat, wurde er von den jubelnden Fans empfangen. Zum Beginn von “Fallen in Love” lieferte er sich ein Mundharmonika-Duell gegen Tommy Henriksens Gitarre. Zwischen den Klassikern “Be my Lover” und “Under my Wheels” wurde mit “Go Man Go” das einzige Lied vom Platz 1 Album “Detroit Stories” gespielt. Die Lieder gingen alle nahtlos ineinanderüber und ließen keine Zeit zum Luftholen, nur zum mitgrölen. Deswegen schafften es bestimmt drei Lieder mehr auf die Setlist als auf der vorangegangenen Tour.

Neben dem Bühnenbild sah auch der erste Blick auf die Setlist aus, als hätte sich daran nicht viel geändert. Bei genauerem Hinschauen, standen fünf andere Lieder darauf, was bei der Zahl an Hits, die gespielt werden müssen, schon eine Menge sind. Auf der letzten Tour hatte ich mich sehr über “Roses on White Lace” gefreut. Eines meiner Lieblingslieder, welches er ewig nicht in der Setlist hatte. Deswegen war ich gar nicht böse, als Nita Strauss das Lied mit einem Gitarrensolo eröffnete. Natürlich durfte Sheryl Cooper im Hochzeitskleid nicht fehlen, um mit ihrem Mann den Text nachzustellen. Härtemäßig zieht das Lied die Schraube an und geht schon in Richtung Metal, aber wer braucht Schubladen?

Nicht nur Frau Strauss verdient eine Erwähnung, Alice hat eine grandiose Band um sich gescharrt. Die meisten Musiker unterstützen ihn schon seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten. Die Fünf haben die Bezeichnung Rockband verdient. Gerade bei dem Medley aus alten Stücken, während der Alice nicht auf der Bühne stand, konnten sie zeigen, was in ihnen steckt. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum das kommende Album von allen gemeinsam erarbeitet wurde. 
Nach dem Medley wurde der Zeremonienmeister in Zwangsjacke durch die Schloßtür geführt und gab, wie auf der letzten Tour, “Steven” anstelle von “Ballad of Dwight Fry” zum Besten. Das Lied dröhnte bis auf den Parkplatz zu unserem Mitfahrer, der artig auf dem Beifahrersitz wartete und das Auto bewachte. Natürlich durfte Alice’ Göttergattin Sheryl nicht fehlen, die ihm während des Liedes erst ein Dead Baby in die Hand drückte, bevor sie ihn zur Guillotine geleitete. Es gibt einfach feste Bestandteile, genau wie bestimmte Lieder, die in einer Alice Cooper-Show nicht fehlen dürfen. Und welchem Musiker steht eine Zwangsjacke besser? Wer der tragen kann, kann der tragen. (altes polnisches Sprichwort)

Mit “Escape” befreite Alice sich dann aus dem Alptraum. Zu “Teenage Frankenstein” wurde die Brücke zum ersten Lied geschlagen und der Frank’n’Alice nochmal losgelassen. Natürlich wollten die begeisterten Zuschauer die Band noch nicht gehen lassen. So kamen alle zurück um das Konzert, wie es sich gehört, mit “School’s out” offiziell zu beenden. “Well, well, well, finally Alice speaks”, verkündete der Rockstar und das tat er, um seine Mitstreiter vorzustellen, die alle gebührend vom Publikum abgefeiert wurden. Nach der Leistung des Abends mehr wie verdient.

Als der letzte Ballon zerplatzt und der letzte Ton gespielt war, verbeugten sich alle artig und beendeten ein weiteres großartiges Konzert. Es gibt keine schlechten Alice Cooper-Konzerte. Der Mann weiß, was er seinen Fans schuldig ist. Mit den zusammengestellten Musikern, hat er eine starke Truppe im Rücken, die alle Stücke zeitlos rocken lassen, obwohl viele Lieder 40 Jahre plus auf dem Buckel haben. Zeitlos scheint auch Alice selber zu sein und begeistert weiterhin die Massen, wie in der Jahrhunderthalle eindrucksvoll bewiesen wurde. Das Wort umtriebig fiel schon, denn noch ist der “Detroit Muscle”-Tourtross unterwegs, da wurde bereits die nächste Tour für kommendes Jahr angekündigt.

Another Pic in the Wall

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