Jungs gegen Mädchen

Mittwochs im Pott

Was bewegt jemanden, an einem Mittwochabend ins tiefste Ruhrgebiet zu fahren? Diesmal nicht ein Treffen mit unserem Duisburger Ehepaar, auch kein Zoobesuch. Vielmehr die Aussicht darauf, nette Menschen wiederzusehen, und netten Menschen beim Musikmachen zuzuschauen.

Andreas Schleicher, Mitglied unserer liebsten polnischen Familie, gab mit seinen musikalischen Mitstreitern Andre Krengel (Gitarre), Konstantin Wienstroer (Kontrabass) und Jörg Siebenhaar (Akkordeon, Piano, Cajon) einen musikalischen Vorgeschmack auf sein kommendes Soloalbum „Mädchen gegen Jungs“. Das ganze auch noch umsonst. Eigentlich hatten wir nicht lange überlegt und nachdem auch Holly früher von der Arbeit wegkam, machten wir uns auf den Weg in den Pott. Die Hinreise verlief erfreulich reibungslos, auch der Wechsel von der A4 auf die A3 bei Köln. Somit waren wir nach 1 ½ Stunden Fahrt am Ziel.

Eigentlich.

Unser Navi meldete, kurz nachdem wir an der Lotharstraße in Duisburg vorbeigefahren waren, dass wir hätten rechts abbiegen sollen. Da wir diesen Befehl in dem Moment nicht mehr ausführen konnten, beschloss es, dass wir ab sofort auf uns gestellt waren. „ICH habe ja gesagt, rechts abbiegen. Wenn ihr das nicht macht, Leute, dann macht ihr mal alleine weiter.“ Jedenfalls hing der Pfeil bewegungslos im Nichts und wir gondelten ein wenig unentspannt durch das Duisburger Einbahnstraßenviertel. Endlich wieder auf der Hauptstraße gesellte sich auch das Navi wieder zu uns und wir fanden die richtige Straße wieder und einen Parkplatz.

Freudig wurden wir von unserer Bekanntschaft begrüßt, wir hatten extra vorher nicht gesagt, dass wir kommen. Wir unterhielten uns ein wenig und plötzlich kam dann auch Herr Schleicher an unseren Tisch, um uns persönlich zu begrüßen. Er freute sich sichtlich, dass viele von uns extra für ihn eine etwas weitere Anfahrt gemacht hatten.

Der Steinbruch Duisburg. Wir hatten schon viel davon gehört, waren nun das erste Mal dort. Ganz nettes Cafe mit einem kleinen angrenzenden Bühnenraum, erfreulicherweise auch dort mit Tischen. Das erste Konzert, bei dem ich währenddessen Bratkartoffeln essen konnte. ;-)

Ich bewundere grundsätzlich jeden, der ein Instrument spielen kann. Was an diesem Abend musikalisch geboten wurde, ist aber noch eine Etage höher. Jörg Siebenhaar spielt tatsächlich teilweise drei Instrumente auf einmal und lässt das auch noch leicht aussehen. Was Andre Krengel seiner Gitarre für Töne entlocken kann, ist grandios und auch Konstantin Wienstroer versinkt in seinem Kontrabassspiel. Andreas erzählte, dass er die Band zum ersten Mal sah und direkt danach fragte, ob sich mit ihm zusammen spielen wollen. Kann ich absolut nachvollziehen.

Nicht umsonst ist Andreas Schleicher einer unserer liebsten Gastsänger der Popolskis. Er hat eine sympathische, charmante Art, die auch an diesem Abend wieder in jeder Sekunde spürbar war. Zwischen den Stücken führte er witzig und locker durch den Abend und ich war platt, dass er auch von der Bühne noch mal die „Siegener“ begrüßte, da wir gewiß die weiteste Anreise hatten. Zu Beginn merkte er an, dass die Penne in Sahnesoße, die er zuvor gegessen hatte, noch auf seinen Stimmbändern liegen würden. Davon hat man im Publikum nichts gemerkt. Sie war sowohl bei den langsamen Stücken, als auch bei den schnelleren immer kraftvoll und schön. Die Stücke machen Lust auf das Album und auch neugierig, wie sie mit den Mädels klingen.

Aus der ersten Hälfte blieb mir besonders „Anderer Stern“ im Gedächtnis, ein traurig-schönes Lied, gewidmet der Mama. Bei „Genau mein Tag“ schaffte Andreas es sogar, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Im Zweiten Teil hat uns „Children“ sehr umgehauen. Wie man ein Techno-Lied so genial umarrangieren kann – Hammer! „Hunger nach Fisch“ hat mich vom Text her sehr angesprochen und ich freue mich, es noch mal auf CD zu hören. Und „Ab 30“: Tja, da gehöre ich ja seit diesem Jahr auch dazu.

Die CD ist fertig, aber irgendwie auch wieder nicht, daher konnten wir sie erst mal nur vorbestellen. Dafür bekommen wir sie signiert(!!!), kostenfrei (!!!!) und- jetzt kommt’s- mit Schokolädchen dabei (!!!!) zugeschickt, sobald sie fertig ist. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Wir verabschiedeten uns nach einem tollen Abend von Andreas und nahmen erneut ein paar nette Worte mit auf den Heimweg. Für die Musik lohnt sich jede Autofahrt – und für nette Menschen auch!

Schleicher-Quartett

 

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8 Antworten zu Jungs gegen Mädchen

  1. Christine sagt:

    Das Album ist wirklich prima geworden. Hab es gerade bei der L.A. Session in Schwelm gekauft…

    • Holly sagt:

      Hallo Christine!
      Uns gefällt es auch gut, wobei ich mich an Andreas‘ „normale“ Stimme gewöhnen muß. Habe ihn noch nicht so oft ohne Akzent gehört. :- )
      Wir arbeiten gerade an einem Review zum Album. Falls Du etwas ergänzen möchtest, bist Du herzlich eingeladen.

      Lieben Gruß
      Holly

  2. Steffen sagt:

    Schon komisch wie man immer davon erfährt das ihr beide mal wieder in der Nachbarschaft ward… Hättet ruhig auf nen Kaffee vorbei kommen können! ;- )

    Liebe Grüße,
    euer Duisburger Ehepaar :- )

    • Karinsche sagt:

      Nun, vorher mußte Holly arbeiten und um 23 Uhr hättet ihr uns wahrscheinlich mit Recht ’nen Vogel gezeigt, wenn wir geklingelt und nach einem Kaffee gefragt hätten. ;)
      Aber wie sagte schon ein bekannter österreichischer Philosoph: „I’ll We’ll be back!“

  3. Eva sagt:

    Ein schöner Abend scheint’s gewesen zu sein. Es ist doch immer auch erbaulich, sich die anderen Projekte von Bandmitgliedern genauer anzuschauen.
    Danke für den interessanten Bericht.
    Lieben Gruß
    Eva

    • Karinsche sagt:

      War wirklich ein schöner Abend, bei dem alles gepaßt hat. Gute Musiker unterstützen wir immer gerne. Es ist interessant, auch andere Facetten eines Künstlers zu erleben. Wie Andreas selber auch sagte: „Es muß nicht immer Klamauk sein“.
      Liebe Grüße
      Karina

  4. Ivonne sagt:

    sehr schöner bericht
    ja es war ein toller abend mit guter musik und netten menschen
    meine mutter war dabei und zum ersten mal auf so einer veranstaltung und war ganz begeister vor diesem abend hat sie mich gefragt „was bringt dir das hunderte kilometer zu fahren nur um 2stunden musik zu hören?“ jetzt weiß sie es kann mich ein wenig verstehen
    ich danke euch für die schönen fotos und freu mich schon auf nächsten monat

    • Karinsche sagt:

      Hallo Ivonne!
      Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Fand ich super, daß deine Mutter sich darauf eingelassen hat und es ihr dann auch gefallen hat. Anfangs haben meine Eltern auch immer gefragt: „Schon wieder Popolskis? Da wart ihr doch schon so oft.“ Mittlerweile sagen sie das nicht mehr. :) Für uns ist es ganz normal, Konzerte in einem Umkreis bis zu 200 km zu besuchen und bisher haben wir es selten bereut (bis auf Marily Manson in Dortmund und Meat Loaf in Köln).
      Freue mich auch tierisch auf das Wohnzimmertheater und bin auch gespannt, was unsere Mitreisenden sagen werden.
      Lieben Gruß
      Karina

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