Karamba Karacho – Ein Konzert

Der Regenbogen-Johnny rockt die Live Music Hall

Nachdem der Blog schon viele Berichte über Andreas Schleicher beinhaltet, Farin Urlaub dieses Jahr die Aufnahme geschafft hat und Doro schon wieder aus der Ferne winkt, wurde es endlich Zeit, die wohl bekannteste Blondine des Landes aufzunehmen. Fanden wir.
Naja, zumindest ich. Und so machte ich mich auf den Weg nach Köln. Nein, nicht zu Thomas Gottschalk, sondern Heino hatte zum fünfzigsten Jubiläum gerufen. Wie es sich gehört mit Lederjacke und Sonnenbrille. Volksmusik in Rock halt.

Hoch auf dem gelben Wagen fuhr ich also in die Rheinmetropole, nur um in der ersten Reihe neben jemanden mit großem KISS-Aufnäher zu stehen. Guter Musikgeschmack verbindet halt über Genregrenzen hinaus. :-) Das Publikum war gemischt. Neben den Menschen mit Metalkutten und -Shirts, gab es die normalen, neugierigen Zuhörer und natürlich ein paar Gruppen, die man auf Mallorca-Partys findet. Der Stimmung im Saal tat die Mischung keinen Abbruch, eher im Gegenteil, die war von Anfang an sehr gut.

Pünktlich um 19.00 Uhr wurde der Saal dunkel und die Bühne hell. Die elfköpfige Band ging hinter ihren Instrumenten und Mikrofonen in Stellung und ein Ansager kündigte in bester Boxmanier den bekannten Sänger an. Heino betrat nicht nur mit unverzichtbarer Sonnenbrille, sondern auch mit dem neu entdeckten Ledermantel die Bühne und legte direkt mit „Junge“ los. Danach folgten „Was soll das“ und „Augen auf“. Dazwischen begrüßte er das Publikum und meinte, Rocker würden sich duzen und sprach daher das Publikum mit Freunde an. Die Freunde, die den Interpreten schon mit den ersten Tönen abfeierten, hatten nichts dagegen und freuten sich nach den Coverversionen auf Heinos eigene Lieder.

„Schwarz blüht der Enzian“ und „Wir lagen vor Madagaskar“ paßten in der neuen musikalischen Umsetzung nahtlos zu Rammsteins „Sonne“. Der Auftritt mit der Band in Wacken vor zwei Jahren gehörte zu einem seiner Karrierehöhepunkte, wie er stolz verriet. Aber nicht nur die Leute im Zuschauerraum hatten Spaß, auch Heino und die Band schienen auf der Bühne nicht minder Freude an der ihnen entgegengebrachten Begeisterung zu haben. Oft sah man den Sänger lachen. Zwischen zwei Liedern unterbrach er kurz, um die auf die Bühne geworfene Damenunterwäsche an seine drei Sängerinnen zu verteilen. Hannelore sei herausgewachsen.

Danach ging die musikalische Reise durch sein Schaffen weiter. Die Zuschauer sangen mit, klatschten und bangten manchmal. Einzig bei zwei Instrumentalnummern, während denen Heino kurz die Bühne verließ, schien die Stimmung etwas nachzulassen. Heino nutzte die Zeit um sich umzuziehen. So tauschte er zuerst die Lederjacke gegen ein rotes Jackett und später gegen eine mit Lichtern übersäte Lederjacke. Sobald Heino wieder auf der Bühne war, waren die Menschen im Saal wieder lauter. Auch wenn die Stücke, die er mit dem bekannten Jackett sang, etwas ruhiger und wahrscheinlich Heino-typischer waren. Trotzdem sind Lieder wie „Karneval in Rio“ jedem bekannt, ob man es zugegeben möchte oder nicht. [Lächeln mußte ich, als der tätowierte Security-Mann vor mir, der die Darbeitung scheinbar ab und an etwas albern fand, bei „Sierra Madre“ mitsang. :-) ] Man ist einfach mit Heino und seinen Liedern aufgewachsen und kann sich dem nicht entziehen.

Als Heino das Lied „Alles nur geklaut“ von den Prinzen am Ende spielte, sangen die Sängerinnen anstelle von „Hey-ho, hey-ho“, „Hei-no, Hei-no“.  Eine lustige Idee, wie generell die Idee, Coversionen und die eigenen Lieder im Rockgewand zu präsentieren.
Denn ich hätte nie gedacht, daß ich in meinem Leben mal auf ein Heino-Konzert fahre. Zwar habe ich großen Respekt vor einem Künstler, der so lange erfolgreich und mit Herzblut auftritt, aber mit seiner Musik konnte ich nicht soviel anfangen. Bis zu seinen letzten beiden Alben. Die Coverversionen fand ich sehr gelungen und die Rockscheibe ist zwar stellenweise mehr von Rammstein kopiert als inspiriert, aber mit E-Gitarre gehen auch die Volkslieder gut ins Ohr.
Belächelt hat ihn keiner im Publikum, dafür haben alle gelächelt. Auf dem Weg zum Auto habe ich viele Stimmen vernommen und alle teilten meine Meinung, daß das Konzert gut war. Was Heino mit seiner Band in der zweistündigen Show geboten hat, war schon die Reise und den Eintritt wert.
Kein Wunder, daß Heino auf der Bühne genauso viel gelächelt hat, denn es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn junge Menschen mit Wacken- und Metal-Shirts lauthals „Hoch auf dem gelben Wagen“ mitsingen. Er hat ihnen bewiesen, daß wir doch im Grund unseres Herzens alle nur Volkslieder singen wollen. :-)

Alles nur geknippst

 

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3 Responses to Karamba Karacho – Ein Konzert

  1. Eva sagt:

    Oh, Holly, es tun sich Abgründe auf … ;) ;) ;)

    Der ewigwährende Erfolg gibt Heino wohl recht, er beherrscht seine Kunst und sein Geschäft – Respekt … aber mich kann er auch mit seinen neuen Tönen nicht überzeugen. Gut, dass er sein Publikum hat und dass sein Publikum ihn hat. Für jeden Geschmack halt das Passende.

    Liebe Grüße
    Eva

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