The Day(s) of the Murmel

Doctor Who Convention in Kassel – Teil 1

Wie ihr wisst, bin ich ein großer Doctor Who-Fan, denn ich habe hier im Blog schon einige Berichte geschrieben und Bilder meiner beiden Besuche von Ausstellungen in England [2007 /2008] gepostet. Zwar waren die beiden letzten Kinovorstellungen des Doctors im Kino vor Ort immer gut besucht, aber in meiner unmittelbaren Umgebung gibt es, außer meinen Mitbewohnern, keine Menschen, die die Serie kennen oder mögen. [Wenn man sie kennt, kann man sie nur mögen, finde ich.] Aber in Deutschland gibt es inzwischen genug Fans, um eine Convention auf die Beine zu stellen, wie sich an den beiden Tagen in Kassel herausgestellt hat. Und da durfte ich natürlich nicht fehlen.

Am Samstag fanden wir uns schon früh vor dem Kulturbahnhof in Kassel ein und die Menschenmasse wurde schnell größer. Obwohl sich die Eröffnung etwas verzögerte, hatte es keinen Einfluß auf das geplante Programm. Alle Punkte konnten pünktlich beginnen und den Anfang machte natürlich die Eröffnung der Convention. Der Saal war gut gefüllt, als die Veranstalter, Simone, Pascal und Ralf, sich vorstellen, die Besucher begrüßten, einen kurzen Überblick gaben und natürlich zum ersten Mal an dem Wochenende die Stars auf die Bühne holten. Alle richteten ein paar freundliche Worte ans Publikum. Paul McGann erwähnte, seine Söhne würden ihm nicht glauben, daß er sich auf einer Convention in Deutschland befindet. Terrance Dicks erzählte, sein Sohn hätte ihn vor dem Abflug beruhigt, weil in Deutschland alles gut durchorganisiert sei. Und der Sohn hatte recht, denn alles schien an dem Wochenende wie am Schnürchen zu laufen. Falls es Probleme gegeben hat, haben wir als Besucher nichts davon mitbekommen.

Die Moderationen der Panels teilten sich an beiden Tagen Chris und Ralf. Beide waren, meistens zumindest, gut vorbereitet und meisterten die Aufgabe locker und scheinbar lässig. Dabei wechselten sie gekonnt zwischen eigenen Fragen und welchen aus dem Publikum.

 

Die Ehre, das erste Panel des Tages zu halten, ging an Nicola Bryant, Terry Molloy und Monty.  Aber für mich stand ein besonders aufregender Programmpunkt auf der Tagesordnung und so habe ich erst das zweite Panel der Beiden am Sonntag gesehen.
2008 durfte ich David Tennant schon auf einer Theaterbühne zuschauen, aber am Samstag sollte ich das erste Mal in meinem Murmeltierleben einen waschechten Doctor treffen. Ich hibbelte vor dem Fotoshoot etwas in meinem Rucksack rum, aber das war vollkommen unbegründet. Paul McGann lachte mich direkt an und hatte sichtlich Spaß, sich mit mir ablichten zu lassen. Ich muß gestehen, daß ich in dem aufregenden Moment nichts herausgebracht habe.

Danach ging es zurück in den großen Saal, der eigentlich das ganze Wochenende über voll besetzt war. Kein Wunder, denn bisher war es nicht möglich, der Welt von Doctor Who so nah zu kommen, zumindest nicht so nah vor der eigenen Haustür. Und die Chance wollte sich niemand entgehen lassen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum alle vor Ort so freundlich waren und großen Spaß hatten. Man war halt nicht mehr allein. Gut, ich als Murmeltier schon, aber schließlich war ich durch Monty nicht alleine an der Plüschtierfront.

Im Panelraum erzählten die beiden Autoren Terrance Dicks und Andrew Cartmel von ihrer Zeit als Chefautor der Serie. Terrance Dicks ist so etwas wie die graue Eminenz der klassischen Serie und damit meine ich nicht seine Fellfarbe, sondern sein Alter. Mit seinen 80 Jahren gehört er zur alten Garde der Who-Macher. Einige junge Fans der neuen Serie schienen am Anfang nicht soviel mit ihm anfangen zu können, aber ich mag seine Geschichten und Interviews im Bonusmaterial der klassischen DVDs. Aus diesem Grund habe mich sehr darüber gefreut, daß er da war und live einiges erzählen und Fragen beantworten konnte. Er war Anfang der Siebziger für die Serie und später für viele Romanabenteuer des Doctors verantwortlich. Andrew Cartmel hatte den Posten in den letzten Jahren der klassischen Serie, 1987-1989, inne. Lustigerweise ist Holly damals durch diese Staffeln zum ersten Mal mit der Welt des Doctors in Berührung gekommen, ohne zu wissen, daß ihn die Serie fünfzehn Jahre später erst richtig in den Bann ziehen sollte. Beide Autoren berichteten aus verschiedenen Epochen des Doctors, ihren Erlebnissen hinter der Kamera und ihren Umgang mit der Kontinuität der langlebigen Serie. Auch hier könnte ich jetzt erwähnen, wie freundlich sie waren, geduldig alle Fragen beantworteten und das Event genossen, aber die Aussage schien auf alle Stars an dem Wochenende zuzutreffen. Auf der TimeLash wurde ein weiteres Kapitel der Who-Geschichte geschrieben, und alle schienen sich dessen bewußt.

Danach gab es einen kleinen Vortrag eines deutschen Fans über die Jahre zwischen den Fernsehserien. Die Abenteuer hörten nämlich nach der Absetzung der Serie 1989 nicht auf. Der Doctor ist, aktuell mehr denn je, ein fester Bestandteil der (britischen) Kultur. Die Abenteuer verlagerten sich von der Mattscheibe in andere Medien. Zuerst eroberte der Doctor Bücher und Comics, um sich dann später in vielen Hörspielen wiederzufinden. Das Besondere bei den Hörspielen von Big Finish ist nicht nur die Weiterführung der Geschichten, sondern daß die „echten“ Doctoren und Companions von damals wieder in ihre bekannteste Rollen schlüpfen. Im Hörspiel sind die vergangenen Jahre egal und alle sehen vor dem geistigen Auge des Hörers aus, wie sie zuletzt in der Serie ausgeschaut haben. Zuerst sicherten Peter Davison, Colin Baker und Sylvester McCoy ihre Zusage zu, später ließ sich Paul McGann überzeugen, die Rolle aus dem Fernsehfilm wieder aufzunehmen. Sogar Tom Baker wirft sich seit drei Jahren wieder den langen Schal um. Demnächst knüpfen John Hurt und David Tennant die Verbindung zur aktuellen Serie. Auf diese Weise kann man viel Zeit in der TARDIS verbringen, auch wenn keine neuen Folgen im Fernsehen erscheinen. Die Hörspiele erscheinen monatlich und in den sechzehn Jahren sind es schon über 200 geworden. Die Folgen, die ohne Doctor im Whoniverse spielen, nicht eingerechnet. Es lohnt sich für jeden Fan, den Hörspielen eine Chance zu geben. Zwar muß ich gestehen, nicht alle gehört zu haben, aber mir fallen immer die Ohrstöpsel aus den meinen kleinen Öhrchen und zum Einschlafen taugen die Geschichten nichts, weil mich des Öfteren ein „EX-TER-MI-NATE! aufschrecken läßt.

Jetzt ist meine Einleitung zu dem Thema schon wieder viel zu lang geworden, also fasse ich mich beim Panel selber kurz. Es saßen sieben Stargäste, die alle mit Big Finish zu tun habe, auf der Bühne. Die beiden Gründer Jason Heigh-Ellery, Nicholas Briggs, der Autor Nev Fountain, sowie die Schauspieler, Nicola Bryant, Terry Molloy, Toby Hadoke und selbstredend Paul McGann. Zusammen erzählten sie die Entstehungsgeschichte von Big Finish, wie aus dem kleinen Fanprojekt eine große Firma mit weit über 100 Veröffentlichungen im Jahr geworden ist und streuten ein paar amüsante Anekdoten ein. Das Panel war sehr lustig und Karinsche fand Nicholas Briggs so unterhaltsam, daß sie beschloß, sich auf keinen Fall sein Panel am nächsten Tag entgehen zu lassen. Ich hatte nichts dagegen.

Danach gaben sich zwei deutsche Herren die Ehre, die in Deutschland hinter den Kulissen für die Synchronisation zuständig waren. Michael Schwarzmeier war damals die Stimme des siebten Doctors und im „The Five Doctors-„Special übernahm er sogar alle Doctoren. Kai Taschner zeichnete sich für die Synchronisation der ersten beiden Staffeln der neuen Serie verwantwortlich. Viele Menschen schauen sich die Serie auf Deutsch an, hatten aber das ganze Wochenende keine Probleme mit dem meist englischsprachigen Panels. Fand ich faszinierend. Da ich mehr kann, als mir auf Englisch eine Nuss zu bestellen, schaue ich die Serie am liebsten im Original, aber nicht jeder hat die Möglichkeit und schließlich ist Synchronisation eine Kunst für sich. Und eine interessante, wie Michael Schwarzmeier und Kai Taschner in ihrer sehr unterhaltsamen Zeit auf der Bühne bewiesen. Wobei sich natürlich nicht alles nur um Doctor Who drehte, sondern viele Fragen zu den Simpsons gestellt wurden, weil beide dort Figuren sprechen. Ich muß gestehen, daß ich gerade sehr überrascht war zu lesen, wie alt Michael Schwarzmaier ist. Er ist bereits 75, aber ich hätte ihn mindestens zehn Jahre jünger geschätzt. Für Synchronsprecher sind solche Veranstaltungen wahrscheinlich wesentlich seltener, als für Schauspieler. Herr Schwarzmaier war sichtlich beeindruckt, wie viele Menschen sich für Doctor Who in Kassel versammelt hatten und er eingeladen wurde, schließlich liegt seine Arbeit an der Serie schon über zwanzig Jahre zurück.
Daß auf der TimeLash viele unterschiedliche Aspekte der Serie berücksichtig wurden und diese genauso vielfältig sind, wie die Abenteuer des Doctors selber, hat mir sehr gut gefallen. Den Organisatoren ist eine wirklich gute Mischung gelungen.

Es folgte ein Star aus der aktuellen Serie. Catrin Stewart spielt ein Drittel der Paternoster Gang, nämlich Jenny Flint. Zusammen mit ihrer silurianischen Ehefrau Madame Vastra und dem sontarianischen Diener Strax stand sie dem Doctor in einigen Folgen und auch am Anfang seiner zwölften Erscheinung zur Seite. Abgesehen von ein paar kleinen Minifolgen, war Catrin nur in fünf Episoden der Serie zu sehen, so daß sie, im Gegensatz zu Nicola Bryant, die seit über 30 Jahren im Whoniverse zuhause ist, nicht soviel zum Doctor sagen konnte. Noch dazu war sie vor ihrem Engagement gar kein Fan der Serie. Das Geständnis hat der sympathischen Waliserin aber keiner im Raum übel genommen. Dafür hat sie freundlich und gut gelaunt über andere Aspekte der Schauspielerei geplaudert und die Neugier der Zuschauer befriedigt. Am Sonntagmorgen fand der Moderator aufgrund einer kurzen Nacht nicht direkt den Einstieg ins Panel, so daß Catrin kurzerhand den Spieß umdrehte und Ralf fragte, wie er zu Doctor Who gekommen sei.
Ich fand es interessant zu erfahren, daß er, genau wie ich, erst durch die neuen Serie in Berührung mit dem Doctor gekommen ist und sich von da an rückwärts mit wachsender Begeisterung durch die vergangenen Abenteuer gearbeitet hat. Da es um einen Zeitreisenden geht, spielt die richtige Reihenfolge nicht wirklich eine große Rolle. ;-)
Catrin Stewart mußte am Sonntag früher abreisen, nahm sich aber nach ihrem Panel noch Zeit für Fotos mit den Fans und einigen Autogrammen, bevor sie zurück nach England flog.

Im Anschluß hielt Paul McGann sein erstes Panel, aber davon berichte ich euch im zweiten Teil und springe direkt zum letzten Gast des ersten Con-Tages.

Den Abschluß am Samstag machte Toby Hadoke. Ein englischer Schauspieler, Autor, Doctor Who-Fan und Comedian. In Kassel bot er eine Kostprobe von Letzterem. Speziell für den Abend mischte er seine beiden Doctor-Who-Programme „Moths ate my Doctor Who Scarf“ und „My Stepson stole my Sonic Screwdriver“ und entfernte einige zu britische Bezüge.
Das Programm war der gelungene Rausschmeisser des Tages. Toby ging die Stationen seines Lebens durch und wie für jeden Fan, war der Doctor ein treuer Begleiter. In den Situationen, in die ihn seine Liebe für die Show brachten, konnte sich scheinbar jeder im Saal versetzten. Denn jeder Fan ist mehr oder weniger seltsamen Blicken ausgesetzt, bei denen sich nicht nur Toby fragt, wo der Unterschied zwischen dem Schal eines Fußballfans und dem eines Doctor Who-Fans ist. Das eine scheint normal und akzeptiert, während das andere auf merkwürdige Verhaltensstörungen hinzuweisen scheint. Zum Glück ist mein Schal weder das eine, noch das andere, sondern einfach nur der einzige Murmeltierschal auf der Welt. [Danke, Hexe.] Daher werde ich eher selten merkwürdig beäugt und bin auch am Wochenende nicht aufgefallen.
Hätte Toby Hadokes Mutter gewußt, daß ihr Sohn mal einen Raum voller anderssprachiger Menschen aus dem Herzen spricht und zum herzhaften Lachen bringt, hätte sie ihm nicht prophezeit, es zu nichts zu bringen, wenn er nur Doctor Who im Kopf hat.

Damit fand der erste Convention Tag ein sehr heiteres Ende. Wir machten uns mit vielen Mitbringseln und guter Laune auf den Rückweg ins Hotel. Alleine der erste Tag war die Reise nach Kassel wert und es lag erst die Hälfte hinter uns. Da aber an beiden Tagen sehr viel passiert ist, teile ich den Bericht lieber auf, um euch nicht mit zuviel Text auf einmal zu langweilen. Nur durch die Begeisterung dieses tollen Wochenendes fällt es mir schwer, mich kurzzufassen. Deswegen schließe ich diesen Bericht, wie einige Folgen enden, und zwar mit:

To be continued.

Psychic Gallery

 

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2 Antworten zu The Day(s) of the Murmel

  1. Steffen sagt:

    Hallo Murmel,

    jetzt habe ich endlich die Zeit gefunden den ersten Teil deines Berichtes zu lesen.
    Mannomann… das klingt echt nach einem gelungenen Event.
    Und auch die Fotos sind klasse…
    Wie ist eigentlich dein Passbild geworden? Das würde mich ja mal interessieren.
    Ich kann mir richtig vorstellen wie die Daleks als Türsteher und „The Silence“ als Kartenverkäufer eingesetzt wurden („Kann mich gar nicht erinnern eine Karte gekauft zu haben“, „Hab ich eigentlich eine Karte?“, „Muß noch eine Karte kaufen“). Hast du auch Strichlisten geführt?
    Und wie war Davros so? Oder Dalek Sek? Und hättest du nicht am liebsten die TARDIS entführt und eine kleine Spritztour gemacht? Oder mit einer Dalek-Hülle? Und „What are the round things?“
    Hach, ich bin ja sooo gespannt auf den zweiten Teil deines Berichts…

    Bestell auch Rainer und Karina mal ganz liebe Grüße :- )
    Steffen

    • Murmel sagt:

      Hallo Steffen!

      Das Foto mußte ich abgeben, aber in den Galerien findest Du genug von mir. ;- )

      Bei Strichlisten habe ich das gleiche Problem, wie bei Stempeln, es geht so schlecht aus dem Fell. Aber den Silence und auch den Daleks wurden keine organisatorichen Aufgaben zugeteilt. Die sollten einfach die Besucher unterhalten.
      Davros war sehr nett, vor allem der Echte, wie Du auf dem Foto mit ihm, Monty und mir sehen kannst.

      War wirklich eine sehr gelungene Veranstaltung. Komm doch einfach nächstes Jahr mir. Der Doctor würde sich freuen.

      Hoffe, der zweite Teil und die Fotos dazu gefallen dir auch.

      Nussige Grüße
      Murmel

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