Time(Lash) and the Murmel

Doctor Who Convention in Kassel – Tag 2

And now the conclusion.

Eine Zeitumstellung später standen wir schon wieder vor der Halle. Überraschenderweise war der Andrang nicht so hoch wie am Vortag. Am Anfang standen neben uns nur Con-Helfer auf dem kalten Kasseler Bahnhof. Im Laufe der Zeit kamen nur wenige Fans zu uns vor die Tür und warteten darauf, gestempelt und eingelassen zu werden. Vor dem Stempel habe ich mich gedrückt, aber ich bekomme die Farbe nur sehr schwer wieder aus dem Fell. Bis zum pünktlichen Einlass wurde die Traube zwar größer, aber kein Vergleich zum Samstag. Wir hatten mit einem größeren Ansturm gerechnet.

Natürlich waren wir nicht böse drum und nahmen unsere Plätze vom Vortag in der ersten Reihe wieder ein. Nicholas Briggs, der schon am ersten Tag Teil des großen Big Finish Casts auf der Bühne war, eröffnete den zweiten Veranstaltungstag alleine. Er schreibt nicht nur Hörspiele für Big Finish und führt bei anderen Regie, er ist auch die Stimme der Daleks, Cybermen und vieler anderer Monster der aktuellen Serie. Wie viele, die in irgendeiner Form an der aktuellen Serie oder Nebenprodukten mitwirken, ist auch Nicholas Briggs ein riesiger Fan der klassischen Serie. Aus diesem Grund würde seine Frau ihn immer daran erinnern, daß er einen Job hat, der ihm Spaß macht, wenn er wieder einmal jammern würde. Laut ihm, ist jammern allerdings typisch britisch. Trotz der frühen Morgenstunden erzählte er sehr lebhaft und schlagfertig von seinen Erlebnissen im Doctor Who-Kosmos.

Mittags saß er schon wieder auf der Bühne, als es um das Schreiben für den Doctor ging. Unterstützt wurde er dabei von Terrance Dicks, Andrew Cartmel und Nev Fountain. Die vier Autoren erzählten von ihren unterschiedlichen Vorgehensweisen an Bücher / Scripte ranzugehen, was für sie funktioniert und was nicht. Diskutierten über die Person des Doctors, die Verwendung des Sonic Screwdrivers und vieles mehr. Dabei gaben sie Tipps, auf was man achten, auf wenn man hören sollte, wenn man an einem Projekt sitzt und wann am besten Ideen für neue Geschichten kommen. Einig waren sie sich, daß man nicht Doctor Who-Autor werden könne, sondern nur Autor und manchmal hat man dann das Glück und darf dem Doctor und seinen Begleitern ein Abenteuer auf den zeitreisenden Leib schreiben.

Gegen Mittag saß kein Star im Rampenlicht, da waren die Fans der Con die Stars und enterten die Bühne. Viele Besucher sah man während des Wochenendes in verschiedenen selbstgemachten Kostümen durch die Räume schlendern. Die ganze Arbeit und Zeit, die in die Masken und Klamotten investiert wurden, sollte in der Stunde im Mittelpunkt stehen. Einige betraten die Bühne alleine, andere in kleinen Gruppen, oder Familienverbänden.

Denn ein Vater folgte als siebter Doctor seiner Tochter auf die Bühne, die sich als Ace zurecht gemacht hatte. Manche präsentieren lediglich ihr Kostüm, andere hatten eine kleine Nummer parat oder rezitierten Zeilen einer Szene.
Natürlich war der Doctor, egal ob 7, 8, 9, 10 oder 11, ein oftgesehener Gast, aber generell wurden Charaktere, Figuren und Monster aus allen Epochen dargestellt. Aus den neuen Folgen ließ sich Madame Vastra genauso begutachten, wie ein Weeping Angel oder z.B. Idris, die nur in einer Folge auftauchte. Idris‘ Darbietung hat mir sehr gut gefallen, aber ich war kein Teil der Jury. Die bestand aus drei Damen, die verschiedene Preise für die ähnlichste Erscheinung, das schönste Kostüm, die beste Gruppe etc. vergab.
Bisher bin ich noch nie mit Cosplayern in Berührung gekommen und fand es interessant zu sehen, wie viel Mühe sich die Leute geben, um in die Haut ihrer Lieblingsfigur zu schlüpfen. Ich komme allerdings aus einer karnevalsresistenten Region und hatte bisher nicht das Bedürfnis, mich zu verkleiden. Allerdings gibt es nur wenig Murmeltiere in der TARDIS. :- )

Danach konnte ich den Auftritt von Nicola Bryant, Terry Molloy und Monty nachholen, welchen ich am Vortag wegen meinem Foto mit Paul McGann ausfallen lassen mußte. Nicola war in den Achtzigern kurz der Companion des fünften und dann des sechsten Doctors und spricht die Rolle der Peri noch heute regelmäßig für die Big Finish Hörspiele. Allerdings hat man gerade an Nicola gesehen, daß die Serie zu der Zeit kein großes Budget hatte, denn an ihrem Kostüm wurde immer gespart. In ihren Folgen hatte sie nie viel an.
Terry Molloy war im geichen Jahrzehnt im TV und heute noch in den Hörspielen Davros, der Erschaffer der Daleks. Der Schauspieler war das Gegenteil seiner Rolle. Er war sehr sympathisch und hat nicht geschrien. Daher fiel es mir nicht schwer, seinen Geschichten zuzuhören. Der dritte Teilnehmer war Monty, ein fünfundachtzigjähriger Teddybär, der Terry Molloy auf seinen Reisen begleitet. Auf der Bühne hat er nichts erzählt, aber später hatte ich die Gelegenheit mich mit ihm auszutauschen und mich mit ihm und seinem Herrchen fotografieren zu lassen. Ich bin also mit einem Foto mit dem Doctor und seinem Erzfeind Davros zurückgefahren.
Die beiden Schauspieler haben amüsante Anekdoten aus ihrem Berufsleben erzählt, das nicht nur aus Doctor Who besteht, aber natürlich für die Anwesenden ein wichtiger Punkt war. So drehten sich die meisten Fragen aus dem Publikum selbstverständlich um die verschiedenen Aspekte des Whoniverse und deren Charaktere.
Da Nicola Bryant etwas früher abreisen mußte, verabschiedete sie sich sichtlich gut gelaunt von den deutschen Fans mit zwei kurzen, abgelesenen Sätzen auf Deutsch. Die Zuschauer quittierten die Rede mit lautem Applaus.

Wie versprochen kommt jetzt der Teil mit Paul McGann, denn keine Doctor Who-Convention ohne einen Doctor. Wenn man Paul sieht, fällt es schwer zu glauben, daß er bereits älter ist als William Hartnell damals war, als er zum ersten Mal die TARDIS auf britische Fernsehschirme steuerte. Selbst vom amtierenden Doctor, Peter Capaldi trennt ihn nur ein Lebensjahr, wirkt durch seine jugendliche Erscheinung aber jünger als die aktuelle Inkarnation. Paul McGann war nicht nur bei den Fotoshootings oder beim Signieren aller möglicher Memorabilien der Fans sehr freundlich, sondern machte ebenfalls auf der Bühne einen entspannten und sehr netten Eindruck. Er schien sich in der freundlichen Con-Atmosphäre sichtlich wohl zu fühlen. Trotz einer sich anbahnenden Erkältung ließ er sich nicht davon abhalten, an beiden Tagen nette Schwätzchen mit den Moderatoren und den Fans zu führen. Einzig ein gewünschtes Lied fiel der angeschlagenen Stimme zum Opfer, aber das war verzichtbar. Dafür erzählte er von seiner Zeit in der TARDIS. Zwar spielte er nur in einer Pilotfolge 1996 den Doctor, aber durch seine Beteiligung an den Big Finish Hörspielen, hat auch ihn die Rolle seit damals nicht losgelassen. Spätestens durch die Hörspiele hat er sich zu einem Liebling der Fans gemausert und ist quasi zum Bindeglied zwischen klassischer und aktueller Serie geworden. So hat er zum Jubiläum vor zwei Jahren in einer geheimgehaltenen Miniepisode den Weg zurück auf die Bildschirme gefunden.
Einmal ein Doctor, wird man den Titel nicht mehr los. Mit einer Ausnahme vielleicht, aber keiner der anderen Schauspieler scheint damit ein Problem zu haben. Selbstverständlich ging es nicht nur um seine Abenteuer durch Raum und Zeit, sondern es drehte sich um viele Aspekte seines beruflichen Werdegangs. Er schilderte wie er seinen Weg zur Schauspielerei gefunden hat und wie er und sein Bruder sich bei Castings gegenseitig geholfen haben, weil sie sich so ähnlich sehen. Alle vier McGann-Brüder sind Schauspieler geworden, aber während gemeinsamen Drehs zusammen zu leben geht dann trotzdem nicht gut. Er erzählte von seinen Erfahrungen mit bekannten Regisseuren wie David Fincher und Steven Spielberg, gab aber schmunzelnd zu, daß er nur etwas angeben wolle. Was ihm zu keinem Zeitpunkt jemand abkaufte, dafür wirkte Paul McGann einfach zu bodenständig.
Als es zum Ende der Panels kam beschwerte er sich lautstark, sie hätten doch gerade erst angefangen und man nahm ihm ab, daß er gerne noch weiter in der gemütlichen Runde plaudern wolle. Selbst die jungen Fans der neuen Serie hat er bestimmt auf seine charmante Weise um den Finger gewickelt und Interesse an den Hörspielen geweckt. Ich kann nur sagen, es lohnt sich, denn Paul McGann hat wirklich eine tolle Stimme, von der man sich gut in fremde Welten entführen lassen kann.

Das letzte Panel des Tages bestritten vier deutsche Fans, die über das Fandom in Deutschland referierten. Scheinbar war es nicht nur für mich, sondern für viele Gäste nicht so interessant. Es war einer der wenigen Vorträge, die nicht gut besucht waren. Ein Großteil der Stühle blieb leer. Nach Paul McGann auf die Bühne zu kommen ist sowieso schwer, befürchte ich. Vielleicht mußten einfach schon viele die Heimreise antreten. Wir sind noch geblieben und haben die letzte Runde durch die Räumlichkeiten und an den Verkaufsständen vorbei gedreht, schließlich wollte ich noch eine Plüsch-TARDIS für die Couch haben.
Verteilt über die ganzen Veranstaltungsräume konnte man lebensgroße Pappaufsteller der letzten Doctoren entdecken. Fast in jedem Raum stand eine TARDIS in verschiedenen Größen und natürlich Daleks. Zwei sehr ikonische und mit Sicherheit die bekanntesten Doctor Who-Gegenstände, die bereits Einzug in die Popkultur gefunden haben. Masken,  zurechtgemachte Mannequins und ein kleiner TARDIS-Kontrollraum mit vier Doctoren waren im Kulturbahnhof verteilt. Alles davon mußte ich natürlich in Augenschein nehmen, wie man auf den Fotos sehen kann.

Zum Abschluss versammalten sich ein letztes Mal alle Beteiligten auf der Bühne. Sichtlich erfreut und erleichtert, daß alles an dem Wochenende geklappt und hat. Wie erwähnt mußten ein paar Gäste aufgrund anderer Verpflichtungen etwas früher abreisen. Die Dagebliebenen bedankten sich, merklich begeistert von dieser kleinen Convention, bei allen anwesenden Zuschauern. Die familiäre Atmosphäre machte bestimmt gleichermaßen für viele Con-gewohnte Gäste dieses Wochenende zu einem besonderen Erlebnis. Paul McGann versprach, nächstes Jahr Freunde mitzubringen. Die Fans standen alle auf und bedankten sich mit einem anhaltenden Applaus für die Mühe, die Veranstalter und Stars auf sich genommen hatten um die TimeLash zu verwirklichen und den Fans den Doctor und sein Universum ein Stück näher zu bringen.

Damit ging ein großes Wochenende für ein kleines Murmeltier zuende. Es war schön zu sehen, daß so viele Menschen den Weg nach Kassel gefunden hatten. Vor zehn Jahren kannten hier nur Eingeweihte den Doctor, inzwischen ist die Fangemeinde gewachsen.
Ich glaube, ich spreche nicht nur für alle Murmeltiere wenn ich sage, daß ich froh bin, an diesen historischen Tagen dabei gewesen zu sein.
Wir fahren nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin. Das Zimmer ist bereits gebucht, schließlich hätte ich jetzt gerne noch ein paar Fotos mit den anderen Doctoren für mein Fotoalbum.

The Image(s) of Kassel

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2 Antworten zu Time(Lash) and the Murmel

  1. Steffen sagt:

    Nuss zum Grusse,

    auch der zweite Bericht liest sich wieder sehr unterhaltsam und die zusätzlichen Fotos sind klasse. Waaaaaahnsinn, was die Fans so alles anstellen. Ich hab zwar auch noch keine wirklichen Berührungspunkte mit Cosplayern. Ok, mal von Holly abgesehen, der ja wohl mal ein Frank’n’Further Kostüm hatte *schauder*. Gut daß ich ihn nie darin gesehen habe ;- ) Aber vor allem den Professor und Ace finde ich echt klasse :- ) Der siebte Doctor war ja, wie auch für Rainer, mein Einstieg in das Whoniverse.
    Hach… damals.
    Hätte auch nicht gedacht, daß Paul McGann wirklich nur ein Jahr jünger ist als Capaldi. Ok, der Film von 1996 ist ja auch schon fast 20 Jahre her… Verdammt, man wird alt… Aber McGann ist einfach klasse, und er kann in den Hörspielen echt überzeugen. Ich glaub ich muß mir den Film demnächst mal wieder anschauen…

    Ich finde es klasse daß du dich mit Monty und Terry verstanden hast. Die Welt wäre ein plüschigerer Ort, wenn jeder ein Stofftier dabei hätte. Vielleicht setzt sich das ja noch durch.

    Ich bin gespannt wer aus dem Whoniverse uns in den nächsten Jahren noch alles beehren wird.

    Liebe Grüße aus Mönchennussbach!
    Steffen

    PS: kommst du im Dezember auch mit zum OSS 117 gucken? Dann halte ich dir den Ehrenplatz auf der Couch frei und sorge für einen entsprechenden Nussvorrat. Kommst du eigentlich gut mit Eichhörnchen klar?

    • Murmel sagt:

      Hallo!

      Schön, daß Du dich auch durch den zweiten Teil geackert hast.

      Holly hat Cosplay gemacht? Kann ich mir gar nicht vorstellen, aber Du kennst ihn länger.
      Nicola Bryant reist auch mit einem Stofftier, hat es in Kassel aber nicht vorgestellt. Vielleicht gibt es eine Verbindung zwischen „Doctor Who“ und Stofftierliebhabern!?

      Sylvester ist doch im Dezember in der Nähe nur leider haben meine menschlichen Mitbewohner an dem Wochenende anderweitige Pläne. ;- )
      Weiß noch nicht, ob ich mitkommen. Wenn, könnte ich dir gerne ein paar McCoy-Folgen mitbringen.

      Abgesehen von Lulu mag ich die kleinen, rotbraunen Nussdiebe eigentlich nicht.

      Nussige Grüße
      Murmel

      P.S.
      Wo liegt denn Mönchennussgladbach?
      Ich war bereits mal in Mandeln und habe von Nussloch gehört, aber nicht von der Stadt. Muß ich gleich mal bei NutMaps nachschlagen.

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