Live from the Malkasten

Atemlos mit der Nasenflöte

Als es langsam auf 20 Uhr zugeht, scharen sich die Menschenmassen um die Arena mit dem niedlichen Namen „Zauberkasten“. Endlich sollen an diesem lauen Augustabend die Giganten der Unterhaltung hier erneut den Saal zum Beben bringen. Roy Sanders, internationaler Entertainer par Excellence, sowie sein kongenialer Partner, Bert Kortheim, beehren Bochum Rock City mit einem ihrer seltenen Gastspiele. Die Helikopter kreisen über dem hellerleuchteten Gebiet rund um die Halle. Erwachsene Männer weinen, hysterische Frauen ovulieren, so kennt man die spektakuläre Bühnenshow von Roy, für den in Vegas bereits Celine Dion  im weltberühmten Mirage Vorguppe war.

Als Bert die Bühne zuerst betritt, hat die Security bereits ihre liebe Not, die Sonsbecker Groupies in der ersten Reihe zurückzuhalten. Der Bühnensturm beim Auftritt von Roy Sanders kann anschließend nur knapp verhindert werden und „Love is air“ ist direkt Programm. Roy scheint vor dem Auftritt gut vorgeglüht zu haben, da seine Stimme des öfteren verwaschen klingt und Bert für die Übersetzung genau hinhören muss. Nur so können sich Mißverständnisse wie dieses erklären: „I’m in the mood for tonight“ – „Herr Sanders freut sich, dass Sie den Mut gefunden haben , heute hierhin zu kommen“. Ist Bert doch ansonsten für seine akuraten, wortwörtlichen Übersetzungen bekannt.

Das Publikum frißt Roy vom ersten Ton an aus der Hand und singt euphorisch die „Eieieieiei“ Parts mit. Die zahlreichen weiblichen Fans werden auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen; sie kreischen und prügeln sich um die mit Royschweiß benetzten Handtücher und verdrücken Tränen der Rührung bei Roys gefühlvoller Hommage an seinen Dad David Hasselhoff (Bert ist davon jedoch nicht überzeugt). Der internationale Charakter der bis ins Detail durchchoreografierten Bühnenshow kommt beim italienischen Duett „Felicita“ zum Tragen. Hierbei kann Bert auch mit seiner glockenhellen Sopranstimme beeindrucken. Eine Pause für das extatische Publikum ist nach „Im Wagen vor mir“ bitter nötig.

Nach der Pause geht es fulminant mit „Sanders rockt“ weiter und Roy zeigt, dass er nicht nur ein Gitarrengott ist, sondern auch mit der Nasenflöte während „Wahnsinn“ brillieren kann. Zusätzlich zu musikalischen Glanzleistungen wird das Publikum mit unglaublichen Illusionen beeindruckt. Selbst David Copperfield hätte das Mikrofon nicht besser verschwinden lassen können.
Im Programm gibt es subtile Veränderungen, u.a. ein neues Stück, welches sich das Duo von der deutschen Celine Dion, Helene Fischer, ausgeliehen hat. Dies sorgt an diesem Abend für Verwirrung bis Ablehnung in der ersten Reihe, was in einer vorübergehenden Klatschblockade resultiert. Der Schock ist jedoch schnell überwunden und die Hysterie überwiegt, wie z.B. bei der Tanzeinlage in aufwendiger Maskierung. Bei „Something Stupid“ kann auch Bert dem grenzenlosen Charme seines Duettpartners nicht mehr widerstehen und versucht zarte Annäherungsversuche.

Endgültig Zeit für ein Sauerstoffzelt im Publikum wird es während der Zugabe, denn Roy Sanders hat sich sein Netzhemd übergeworfen. Gekonnt weiß er das Publikum mit in die Show einzubeziehen. Viele hätten ihren linken Arm dafür gegeben, mit dem rechten Arm die Standdrum zu bedienen; dieses Privileg konnte jedoch Flo für sich beanspruchen und die Zuschauer erlebten eine seltene Reunion, denn der begabte Schlagzeuger hatte bereits beim letzten Mal gemeinsam mit dem Duo auf der Bühne gestanden. Auch der schönste Abend geht einmal zu Ende und Bert & Roy werden unter tobendem Applaus, der die Arena zum Wackeln bringt, verabschiedet. Zu ihrer eigenen Sicherheit werden die Künstler durch den Hintereingang aus dem Gebäude geschleust…

Vielleicht war diese Darstellung in diesem Bericht ein klein wenig überspitzt, doch ich bin mir sicher, in Roys wohlfrisierter Denkmurmel läuft jede Show genauso ab. ;-)

Wie immer war es eine absolute Freude, das Duo Bert & Roy live zu erleben. Man kennt den groben Ablauf und weiß ungefähr, an welcher Stelle im Programm bestimmte Lieder kommen. Dennoch ist jede Show anders, dank dem Improvisationstalent der Hauptakteuere, die allein durch ihre Mimik und Gestik so viel komödiantisches Talent transportieren, dass man sich die Lachtränen wegwischen muß. Aus diesem Grund bin ich eigentlich auch dankbar, dass die Show eben nicht in einer großen Arena stattfindet, sondern in kuschligen Locations wie dem Zauberkasten. Es funktioniert meiner Meinung nach nur in einem solch kleinen Rahmen. Und wie es funktioniert – man muss es einmal erlebt haben! Hoffentlich haben auch die Protagonisten noch lange Spaß an diesem Projekt. Wir sind in jedem Fall gerne Wiederholungstäter.

Bewegungsstudie in Bildern

 

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2 Antworten zu Live from the Malkasten

  1. Steffen sagt:

    Mal wieder ein sehr schön geschriebener Bericht, der die unglaubliche Atmosphäre dieses Mega-Events nur bedingt einzufangen vermag. Man hat ja direkt das Gefühl selbst dabei gewesen zu sein ;- )
    Auch die Bilder sind wieder auf gewohnt hohem Nivau, was aber bei dem Motiv kein Wunder ist. Der King of Superparty macht einfach eine Wahnsinnsfigur, sogar im Netzhemd. Da merkt man ihm sein fortgeschrittenes Alter gar nicht an.
    Aber bevor jetzt Bert mit den blauen Pillen kommt versuche ich meine Begeisterung doch wieder ein wenig zu drosseln.
    Es war ein wirkliches Erlebnis, und ich bin bestimmt nicht das letzte Mal bei Bert und Roy gewesen!

    • Karinsche sagt:

      Lieber Steffen,
      vielen Dank für den Kommentar! Wir freuen uns, dass es dir auch so gut gefallen hat, dass du noch einmal mitkommen würdest!
      Liebe Grüße
      Karinsche

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