Sitzmetal

Farben in der Straße

Nein, hiermit sind nicht Kinderzeichnungen aus bunter Kreide gemeint, vielmehr ist dies die wörtliche Übersetzung des aktuellen Tourneenamens von Tarja Turunen. War die hübsche Finnin erst vor gut einem halben Jahr im Lande, kam sie im Mai für eine Handvoll Konzerte wieder nach Deutschland.

Hatten wir in Düsseldorf erst 2 Wochen zuvor Doro gesehen, rief Tarja uns in dieser Stadt in einen für uns historisch bedeutsamen Bau. Im Stahlwerk erlebte ich nicht nur mein erstes Rock-Konzert überhaupt, der Protagonist erwies sich letztendlich als unser Amor, den wir dort gemeinsam gesehen haben und ohne den der Blog nicht existieren würde. Aber zurück zur Gegenwart, denn auch dieses Konzert war etwas Spezielles: ein bestuhltes Metalkonzert. Warum man so etwas plant, entzieht sich unserer Kenntnis, aber wir waren neugierig, wie dies funktionieren würde. Obwohl wir verhältnismäßig spät und erst ca 1 Stunde vor Einlaß da waren, reichte es für einen Platz in der ersten Reihe. Freie Fotosicht war also garantiert.

Der Abend wurde musikalisch von der niederländischen Band „The Name“ eingeläutet, die soliden, jedoch unspektakulären Metal mit weiblichem Gesang darboten. Nach nur ungefähr 6 Stücken war bereits wieder Schluß und die Bühne wurde für Tarja vorbereitet und ein halbtransparenter Vorhang aufgezogen. Bald setzte das Intro ein und Tarja und ihre Band legten mit „In for a kill“ los. Der Vorhang fiel und keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Der ultimative Beweis, dass Sitzplätze für ein Metalkonzert völlig fehl am Platz sind. Dies ist bei Tarjas klassischen Konzerten nachvollziehbar, aber nicht bei einer Show, bei der mitgegangen, geklatscht und gefeiert werden soll.

Das Bühnenbild war geprägt von gespannten Stoffbahnen, die während der Show verschiedenfarbig ausgeleuchtet wurden. Überhaupt spielten Lichteffekte bei den Shows in diesem Jahr eine größere Rolle und sorgten, wie der Name der Tour bereits beinhaltet, für farbige Akzente.
Die Publikumsreaktionen waren von Anfang an euphorisch und sind nicht mit den Anfangstagen von Tarjas Solokarriere zu vergleichen. Der sympathischen Sängerin merkt man zudem an, dass sie die enorme Unterstützung zu schätzen weiß und sie wird auch nicht müde, dies in den Ansagen zu erwähnen. Das neue Album dominierte die Setlist: Gleich 8 Stücke waren an diesem Abend von „Colours in the dark“ vertreten, unter anderem die gelungene düstere Coverversion von Peter Gabriel’s „Darkness“.

Zwischendurch fanden sich mit „I walk alone“, „Anteroom of Death“und „Die alive“ Songs, die mittlerweile einen festen Platz in Tarja’s Shows  haben. Sehr positiv zu erwähnen ist, dass sich Tarja mittlerweile schon so als Solokünstlerin etabliert hat, dass sie nun auf Nightwishkompositionen komplett verzichten kann. Kein „Nemo“ oder „Wishmaster“, lediglich „Over the hills and far away“ blieb als Überbleibsel aus der Nightwish-Zeit (jedoch aus der Feder von Gary Moore, somit keine Komposition von Tuomas Holopainen). Nicht jedem ist diese Tatsache wohl aufgefallen, denn als Tarja ihr Stück „Medusa“ mit dem Worten „I wrote this song a long time ago“ ansagte, brüllte tatsächlich jemand „Nemo“.

Die Bandkonstellation war die selbe wie im letzten Jahr und man merkt den Musikern ihre langjährige gemeinsame Tourerfahrung an. Es wurde viel gescherzt und gelacht, insbesondere Mike Terrana schien einen Clown gefrühstückt zu haben und schnitt fröhlich Grimassen. „Victim of Ritual“ läutete schließlich die Zugaben ein und Tarja gestikulierte dem Publikum, es solle doch nach vorne an den Bühnenrand kommen. Einige schienen darauf nur gewartet zu haben, jedenfalls war der Mob nicht mehr zu halten und die Leute sprangen buchstäblich über die Stühle, um Tarja ganz nahe zu sein. Während der letzten drei Songs des Abends hatte man dann wirklich das Gefühl, auf einem Metalkonzert zu sein, denn vor der Bühne wurde es richtig eng und wild.  Nach „Until my last breath“ sollte eigentlich Ende sein, doch Tarja brachte es angesichts der Ekstase der Düsseldorfer nicht über das Herz, die Bühne zu räumen. „Ciaran’s Well“ beschloß dann jedoch endgültig den Abend.

Tarja bietet eine gute Show, keine Frage. Live machen die Lieder noch einen Tick mehr Spaß als auf CD und die Tatsache, dass ihre Shows als „fotofreundlich“ deklariert werden, freut natürlich die Fotografin. :-) Allerdings frage ich mich, wieso die gleiche Show beim gleichen Veranstalter mittlerweile fast 10 € mehr kostet als noch vor einem halben Jahr. Sollten die Ticketpreise für die nächste Tour ihr Niveau halten, wird uns Tarja sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Pictures of Ritual

 

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1 Antwort zu Sitzmetal

  1. Dennis sagt:

    Tja, Tarja.
    Das ist so eine Sache. In Deutschland ist sie schon einmal teurer, als in den europäischen Nachbarländern. Und mittlerweile frage ich mich bei diesen Preisen noch, ob die gerechtfertigt sind. Klar, sie bietet eine gute Show und sie hat sich langsam von Nightwish emanzipiert. Doch die letzte Qualität vermisse ich manchmal bei ihr. Noch dazu sind die Sets ziemlich kurz. Vielleicht liegt es an mir, dass mich Tarja in letzter Zeit eher langweilt. Aber momentan ist mein knappes Geld zu schade, um in 90 Minuten Farben auf der Straße investiert zu werden.

    Abgesehen davon, wie immer tolle Fotos!!!

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