Synästhetik in Oberhausen

Es gibt nur einen Gott: JustusPeterBob

Nach zwei randvoll gefüllten Tagen in Hamburg hieß es am Donnerstag schon wieder den Heimweg antreten. Allerdings nicht auf direktem Weg, denn wir konnten uns einen Abstecher nach Oberhausen nicht verkneifen. Dort würden nämlich am Abend drei liebgewonnene Satzzeichen auf der großen Bühne der König-Pilsener Arena einen kniffligen Fall lösen.
Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die 3 Fragezeichen, gingen dieses Jahr erneut auf große Tour, die sie auch dieses Mal nur in die größten Hallen der Republik führte. Bei freier Platzwahl in einem Saal, der 13.000 Menschen faßt, ist frühes Anstehen am Austragungsort angebracht. Dank schönem Wetter und angenehmer Gesprächspartner verging die Wartezeit jedoch wie im Flug und als sich pünktlich um 18 Uhr die Türen öffneten, waren noch Plätze in der ersten Reihe frei.

Zu beobachten, wie sich die riesige Halle hinter einem, langsam mit Menschen bis auf den letzten Platz füllt, läßt einen immer wieder sprachlos zurück. Schließlich hat man es hier nicht mit Rockgrößen à la KISS oder Metallica zu tun, sondern mit Hörspielsprechern. Normalerweise lauscht man ihnen alleine oder zu zweit beim Einschlafen. Dies nun gemeinsam mit Tausenden anderen zu teilen, wirkt immer wieder surreal, aber man spürt bei jedem einzelnen die Sympathie für die Akteure.

Wie bei den anderen Live-Hörspielen, waren die Hauptpersonen zunächst nur akustisch präsent. Die drei Detektive fanden sich plötzlich versehentlich in einem Heißluftballon wieder, der auf einem abgelegenen Berg notlanden mußte. Danach erschienen Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck auch in Person auf der Bühne und ernteten den ersten donnernden Applaus des Abends. Man merkte ihnen die Freude über den Empfang sichtlich an. Die Geräusche wurden von Jörg Klinkenberg beigesteuert. Es war interessant zu beobachten, dass die Art und Dauer der Geräusche sich danach richtete, was der gerade Sprechende im Moment trieb. Als z.B. der japsende Justus Jonas nicht schnell genug zu seinen Partnern aufschließen konnte, wurde eben so lange das Geräusch des Laufens durch Kies gemacht („Komm endlich mal an, du hast Text“).

Weiter ging es mit der Geschichte: Beim Umschauen in der Umgebung entdeckten sie ein mysteriöses Institut, zu dem sie nur Einlaß bekamen, da Peter Shaw anscheinend eine rare Gabe zu besitzen scheint: Die Eigenschaft, Töne als Farben wahrzunehmen. In dem Institut stießen sie auf ein Orchester von Synästhetikern, unter der Leitung des Japaners Yamada, die mit ihrer Musik andere Sinneseindrücke wie Farben oder Geschmack erzeugen können. Als sie dann auf Chloe (gesprochen von Tanja Fornaro) trafen, die ihre verschwundene Schwester im Institut suchte, ahnten die Detektive, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. Insbesondere Yamadas Gehilfin Kappelhoff (Traudel Sperber) schien nichts gutes im Schilde zu führen, so daß sich die drei Fragezeichen aus einer mißlichen Lage befreien mußten.
Insgesamt hat mich die Geschichte nicht so sehr in den Bann gezogen. Insbesondere das Ende kam sehr plötzlich und aprupt.

Da „Phonophobia“ ein komplett neues Stück ist, welches nie „nur“ ein Hörspiel war, sondern direkt für die Bühne geschrieben wurde, wird es durch optische Gimmicks unterstützt. Allein durch die Live-Musiker und den Aufbau der Bühne mit seinen gigantischen Paneelen, die unterschiedlich beleuchtet und gedreht werden konnten, hatte das Stück fast schon einen Theatercharakter. Eine feste Kamera mit Fischaugenobjektiv bot interessante und urkomische Gesichtsausdrücke der Fragezeichen und war eines der Highlights im ersten Teil. Trotz der etwas dünnen Geschichte war es ein Genuß, allen Agierenden auf der Bühne zuzusehen. Die Chemie stimmt einfach zwischen ihnen und läßt viel Raum für Improvisation und Scherze. Wir würden jederzeit wieder hingehen.


Da im Vorfeld das Fotografieren während der Show untersagt wurde, gibt es nur ein paar Bilder vom Schlußapplaus.

Diese Fotos schmecken nach Erdbeere

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