Von Nussschalen, Hagelkörnern und Seebären

Nut …äh… Butjadingen 2013

Vor zwei Wochen ging es wieder in meinen wohlverdienten Urlaub an die Nordsee. Wie bereits im Vorjahr machten wir einen Zwischenstopp, bevor wir in unseren Urlaubsort weiterfuhren. Diesmal übernachteten wir bei zwei Bekannten, die mich mit Handschlag begrüßten. Sehr sympathische Menschen, diese Wesermärscher.

Am nächsten Tag machten sie mit uns eine Rundfahrt um die Halbinsel Butjadingen, auf der wir uns befanden. Ich muß gestehen, für mich machte sie einen ganzen Eindruck. Habe allerdings vergessen zu fragen, wo die andere Hälfte ist. Dafür habe ich erfahren, daß wir gar nicht an der Nordsee waren. Das viele Wasser hinter dem Deich waren die Weser und der Jadebusen. Ich war also unter falschen Voraussetzungen von zuhause weggelockt worden. Der Schock wich schnell, als wir in einem Geschäft einen neuen Rucksack für Lutz und mich fanden. Mein alter, liebgewonnener Reisebegleiter löst sich langsam auf und die neue Tasche, in der ich letztes Jahr Büsum und London unsicher gemacht habe, ist einfach zu eng. Der neue Rucksack bietet mehr Platz und nach der Woche habe ich ihn direkt liebgewonnen.

Am nächsten Tag verließen wir Nordenham in Richtung Burhave, wo wir die ganze Woche einquartiert waren. Dort verstauten wir unser Gepäck und wollten uns gerade zum ersten Fußmarsch zum Deich aufmachen, als dunkle Wolken aufzogen. Wir entschieden uns, erst einmal abzuwarten. Diese Entscheidung sollte sich nur wenige Minuten später als richtig erweisen, denn auf Burhave ging ein unglaublicher Hagelschauer nieder. So etwas habe ich in meinem Murmeltierleben noch nicht erlebt und glaubt man alteingessesenen Burhavenern, hat es so etwas dort in den letzten fünfzig Jahren nicht gegeben. Es war also ein ganz besonderes Naturschauspiel, auf das ich gerne verzichtet hätte. Nachdem der Hagel abgezogen war trauten wir uns dann doch noch raus, wo Wiesen und Autos weiß waren und aussahen, als hätte es geschneit.

Am folgenden Tag war das Wetter wieder freundlicher gestimmt. So kamen wir trockener Pfote nicht nur auf den Wattensteg, der ins Meer, bzw. ins Watt führt, sondern sogar in den nächsten Ort. Fedderwardersiel hat einen kleinen Hafen und dort kam wirlich so etwas wie Nordseefeeling auf. Ich unternehme gerne Schiffstouren, nur fuhren von dort keine Schiffe zur Insel Nussum, so daß dieses Jahr meine Pfoten einzig die Planken der Fähre betreten haben. Dafür hatte ich das Glück und durfte in Fedderwardersiel ein interessantes Hafenpraktikum absolvieren. Was dies alles beinhaltete, kann man in der Galerie sehen. Und die Kniffelbären haben den Aushang zu einer interessanten Fahrt nach Helgoland entdeckt, aber auch die fand leider nicht während unseres Aufenthaltes statt.

Die Sonne begrüßte uns am nächsten Morgen nach dem Aufstehen und wir nutzen das schöne, klare Wetter für einen Abstecher nach Bremerhaven. Mit der Fähre setzten wir über und gingen an alten Schiffen vorbei zu einem Hochhaus, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen. Von dort hatten wir einen unglaublichen Blick in alle Richtungen, soweit das Knopfauge schauen konnte. Der einzige Nachteil war der kalte Wind. Zum Glück gehe ich nie ohne Schal aus dem Haus.
Danach ließen wir uns noch auf einem Schiff durch den Hafen fahren, um uns die riesigen Frachter und Windkraftanlagenteile anzuschauen. Die Größe war schon beeindruckend, besonders für so eine kleines Murmeltier wie mich.
Die Entscheidung an dem Morgen, nach Bremerhaven zu fahren erwies sich abends als richtig, denn die Rückfahrt auf der Fähre war schon so kalt, daß ich in meinem Rucksack geblieben bin und bis wir wieder in Burhave eintrafen, waren die dunklen Wolken schon da.

Nach den anstrengenden Tagen in Fedderwardersiel und dem Ausflug nach Bremerhaven entspannten wir am Mittwoch etwas auf dem Strandspielplatz. Am Donnerstag ließen wir uns mit einem kleinen Touristenzug durch die Gegend fahren und hatten einen kurzen Aufenthalt in Tossens. Dort gingen wir an den Strand, an dem schon langsam die Drachentage vorbereitet wurden. Ich muß gestehen, ich habe mir Drachen immer anders vorgestellt; größer, schuppiger und Feuer speien konnte auch keiner.
Trotz des strahlenden Sonnenscheins sorgte der Wind für eine frische Temperatur. Aber natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, hier mal ins Watt zu gehen. Es ist wesentlich fester und angenehmer, als der Schlick in Burhave. Allerdings wurde es immer tiefer, je weiter man zur Wasserkante kam. Holly ist fast bis zu den Knien versunken, so daß man von mir kaum noch meine Öhrchen gesehen hätte. Aus Sicherheitsgründen habe ich mich in meinen Rucksack zurückgezogen.

Das schöne Wetter des Tages haben wir genutzt und sind nach der Rückkehr in Burhave direkt ins Auto und zu einem schwimmenden Moor, dem Sehestedter Außendeichsmoor. Dort konnte man auf einem Bohlenweg durchgehen, der aber nach wenigen Metern schon seon Ende fand. Wir standen vor einer kleinen Hütte und darin konnte man Fenster aufmachen und ins Moor schauen. Von Außen sah es bestimmt wie ein Adventskalender aus. Die dunklen Wolken, die aufzogen liessen uns an dem Tag noch trocken in unsere Unterkunft kommen, regneten sich abends aber richtig aus. Die letzten beiden Tagen blieben trüb und man konnte die Sonne über der dichten Wolkendecke und dem Nebel nur erahnen. Eigentlich ist grau eine schöne Farbe, aber es steht nicht jedem. Dem Himmel steht blau/weiss besser. ;-) Natürlich ging es trotzdem jeden Tag an den Deich und auf den Wattensteg. Wenn wir schon einmal da waren.

Auf dem Rückweg haben wir nochmal einen kurzen Halt in Nordenham eingelegt um uns zu verabschieden, bevor es auf die Autobahn Richtung Siegen ging. Zuhause erwartete uns dann blauer Himmel und Sonnenschein. Ein Murmeltier kann halt nicht alles haben, zumindest hatte ich ein paar erholsame Tage und ein interessantes Praktikum. Wobei auf der Couch selten Stress herrscht, nur habe ich dank der Seeluft sehr gut geschlafen und im Notfall hätte ich zum Einschlafen eines der vielen Deichschafe zählen können. :-)

Halbinsel auf ganzen Fotos

Dieser Beitrag wurde unter Murmel, Unterwegs abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Von Nussschalen, Hagelkörnern und Seebären

  1. Eva sagt:

    Moin Murmel,
    den neuen Rucksack hätte ich gerne mit Dir geteilt … den hätte dann nur keiner tragen wollen. ;- ) Danke fürs gebloggte Mitnehmen in den Norden. Fernweh! *seufz*
    LG Eva

    • Murmel sagt:

      Hallo Eva!
      Neben Lutz und mir wäre kein Platz mehr im Rucksack gewesen. Ich glaube, Du müßtest da mal mit dem Stefan reden.
      Die hatten auch kleine Fahrzeuge, in denen er dich schieben könnte. :- )
      Wünsche dir auf jeden Fall besseres Wetter, wenn Du dem Fernweh nachgibst.
      Nussige Grüße
      Murmel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünfzehn − 4 =