Zeitlos in Köln

Alter Schwede!

Es gibt Gruppen, die einen mit ihrer Musik ein Leben lang begleiten. Zum 30jährigen Bühnenjubiläum geht anno 2015 das schwedische Pop/Rock-Duo Roxette auf Europatournee, im Gepäck ein Best-of ihrer zahlreichen Hits.

Roxette ist eine der ersten Gruppen, die ich musikalisch wahrgenommen hatte, so gehören die Alben „Joyride“ und „Tourism“ zu den ersten Alben, die ich auf dem neuen Medium „CD“ hatte. Davor kann ich mich erinnern, mir im Schulbus die Kopfhörer des Walkmans mit meiner Freundin zu teilen, und „Tourism“ auf dem Weg zur Schule zu hören. Auch die Alben der späteren Jahre wanderten meist am Veröffentlichungstag direkt in mein CD Regal. Roxette haben auf ihren Studioalben zeitlose Musik produziert, die einem nie leid wird, und die man immer wieder hören kann. Spätestens im Refrain zeigt sich die Eingängigkeit von Roxette-Kompositionen.

Schon interessant, dass die Band schon so lange Teil unserer Leben war, wir sie in all den Jahren jedoch nie live gesehen haben. Diese Lücke galt es an einem Mittwochabend im Juni in der Lanxess Arena in Köln zu schließen. Auch wenn sie in letzter Zeit nicht mehr so im Fokus der Aufmerksamkeit standen: Anhänger haben Roxette nach wie vor eine Menge. Überrascht stellten wir fest, dass bereits 3 Stunden vor Einlass eine stattliche Anzahl an Fans vor den Türen ausharrten. Jeder einzelne von ihnen hat seine eigene Geschichte mit der Band und es war interessant, mit einigen zu sprechen. Unser langes Ausharren vor der Halle wurde letztendlich mit der 1. und 2. Reihe belohnt – und die Plätze waren hart umkämpft, muss an dieser Stelle einmal gesagt werden.

Eröffnet wurde der Konzertabend mit einem Auftritt der ebenfalls schwedischen Formation Eskobar. Daniel Bellqvist & Frederik Zäll gründeten die Band 1996 und können bereits auf einige Alben, sowie Tourerfahrung zurückblicken. Am Schlagzeug wurden sie von Jocke Brunnberg unterstützt. Die teilweise sehr ruhigen Stücke erinnerten stellenweise an A-ha und auch vom Gesang her kann es insbesondere bei den sehr hohen Tönen Sänger Daniel durchaus mit Morten Harket aufnehmen. Sympathischer Auftritt und ein schöner Auftakt in den Abend.

Die Spannung stieg anschließend vor der Bühne als selbige für den Hauptact umgebaut wurde. Die Lichter erloschen um kurz nach 21 Uhr und eine zierliche Gestalt, ganz gekleidet in Weiß, wurde auf die Bühne zu einem Stuhl geführt. Sängerin Marie Fredriksson hat zur Zeit sehr mit den Nachwirkungen ihrer schweren Erkrankung zu kämpfen und absolvierte bislang alle Konzerte der Europatournee im Sitzen. Dafür war der Rest der Band umso agiler und startete rockig mit „Sleeping in my Car“. Sofort ging der gesamte Innenraum mit und feierte die Musiker von der ersten Note an. Per Gessle, die anscheinend kaum zu altern scheint, übernahm die Moderationen und Publikumsansagen und stand fast keine Sekunde still. Weiter ging es im von Per angekündigten Best-of Programm mit einem weiteren großen Hit: „The big L.“

Das Hitfeuerwerk setzte sich auch danach fort. Gut die Hälfte der Songs in der Setlist stammten von den Alben „Look Sharp“ und „Joyride“, wohl die größten Erfolge der Schweden. Das einzige neuere Stück war „She’s got nothing on (but the Radio)“. „Spending my time“ sorgte für den ersten ruhigen, emotionalen Moment. Nicht nur ist das Lied eine wunderschöne Ballade, wenn die zierliche Person auf dem Stuhl mit nach wie vor kräftiger Stimme die Zeile „I thank the Lord above that you’re not here to see me in this shape I’m in“ sang, kamen einem dann doch die Tränen. Gänsehaut auch, als die gesamte Halle den Refrain alleine anstimmte.
Bei „Crash! Boom! Bang!“ teilten sich Per und Marie die Strophen. Untermalt wurden die einzelnen Stücke durch stimmungsvolle Hintergründe auf riesigen jalousieähnlichen Wänden (quasi schwedischen Gardinen) und passende Lichteffekte.

Per suchte immer wieder die Nähe seiner musikalischen Partnerin und sein Lächeln schien des öfteren Freude darüber auszudrücken, dass Marie immer noch auf der Bühne sein kann. Wirkte Marie am Anfang noch etwas unsicher, taute sie im Laufe des Konzerts immer mehr auf und jeder der Mitmusiker agierte mindestens einmal gemeinsam mit ihr. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass sie mehr aus sich herausgehen wollte, aber der Körper nicht dabei mitspielte.

Christopher Lundquist (Gitarre) und Magnus Börjeson (Bass) nutzten die gesamte Breite der Bühne, um hin und her zu laufen und das Publikum anzufeuern. Auch Backgroundsängerin Dea Norberg strahlte die ganze Zeit und schien eine Art Souffleuse für Marie zu sein, die öfters fragend zu ihr herüberzuschaute, ob der Text auch richtig war. Einzig Schlagzeuger Pelle Alsing trommelte mit einem einzigen Gesichtsausdruck den Abend vor sich hin, als sei er nur mal kurz zum Trommeln vorbeigekommen.

Im ruhigsten Teil des Konzerts, bei „Watercolours in the Rain/Paint“, welches Marie alleine unter der Begleitung von Dea am Keyboard bestritt, konnte sie beweisen, dass ihre Stimme nach wie vor facettenreich und kräftig ist, wenn sie auch nicht mehr so mühelos die ganz hohen Töne erreicht. Bei „How do you do“ war der Knoten in der Lanxess Arena vollständig geplatzt, denn auch auf den Rängen gab es mittlerweile niemanden, der noch auf seinem Platz saß. „It must have been love“ wurde ebenso gefeiert wie Christopher Lundquists musikalisches Cover von „Viva Colonia“. „Joyride“ beendete schließlich unter farbenfrohem Luftballonhüpfen den offiziellen Teil. Als Zugabe gab es dann noch „Listen to your heart“ und „The Look“, bei denen alle Beteiligten nochmal richtig aufdrehten.

Auch wenn Marie stark beeinträchtigt war, war es ein großartiger Konzertabend. Jeder Song von Roxette ist mit einer Erinnerung behaftet, die Band zeigte eine unbändige Spielfreude und nach wie vor besteht ein starkes Band zwischen Marie und Per. Es fällt zudem auf, dass Roxette vor allem in den späten 80er und 90er Jahren eine wahre Hitmaschine waren und wunderbare Popmusik geschrieben haben, die auch live zu überzeugen weiß.
Ich wünsche Marie weiterhin eine stabile Gesundheit, damit sie auch in Zukunft noch touren kann, vielleicht sogar wieder auf den eigenen Beinen.

Tack Så Mycket, Roxette & Band!

ROXpix

 

 

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2 Antworten zu Zeitlos in Köln

  1. Stephanie sagt:

    Das ist ein guter Konzertbericht. Da wäre ich auch gern dabei gewesen. Roxette hatten ja wirklich viele Hits und toll von Marie das sie sich trotz ihrer schweren Krankheit wieder auf die Bühne traut.

    • Karinsche sagt:

      Hallo Steph,
      vielen Dank für den Kommentar!
      Ich hoffe für Marie, dass sie noch lange auf den Bühnen dieser Welt stehen kann. :)
      Lieben Gruß

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